Wie leben die Mursi heute?

Die Region um den Omo ist sehr schön, weil es dort noch absolut unberührte Natur gibt. Zudem ist dieses Gebiet eines der wenigen Regionen, die kaum bekannt sind. Im Omo-Tal leben viele unterschiedliche Tierarten und verschiedene Stämme. So zum Beispiel auch das Naturvolk der Mursi.

Dies könnte sich jedoch leider bald ändern. Die Regierung Äthiopiens plant im Unterlauf des Omos den größten Staudamm des Landes zu bauen. Damit wäre der Lebensraum der Mursi und anderer Stämme gefährdet. Schließlich würde der Fluss den Menschen dann nicht mehr genug Wasser bieten.

Die Ackerlandschaften würden nicht mehr überschwemmt, sodass die Mursi dort kein Gemüse mehr anbauen könnten. Sie wären also darauf angewiesen, dass ihnen der Staat Lebensmittel zur Verfügung stellt. Darüber hinaus hätte das Volk dann nicht mehr ausreichend Wasser zur Verfügung, um ihre Rinderherden zu versorgen. Durch den Bau eines Staudamms wäre die Existenz des Mursivolkes gefährdet.

Die Mursi durften das Ackerland nicht mehr nutzen

Im Zeitraum von 2006 bis 2008 durften die Mursi die Weideländer im Omo Nationalpark nicht mehr für das Grasen der Rinder verwenden. Außerdem wurde ihnen verboten, das Land für die landwirtschaftliche Nutzung zu verwenden. Dies wurde durch die Organisation ‚Afrikan Parks‘ untersagt. Die Mursi verloren dadurch einen Teil ihres Landes. Das Verbot wurde jedoch zum Glück durch die äthiopische Regierung wieder aufgehoben. So konnten die Mursi in ihrem gewohnten Lebensraum bleiben.

Welche Folgen hätte der Verlust des Landes?

Wenn die Mursi einen Großteil ihres Landes verlieren, müsste der Stamm seine Rinderherden stark reduzieren. Die Rinderzucht ist jedoch eine wichtige Einnahmequelle für das Naturvolk. Die Reduktion der Rinderherden hätte also drastische Folgen für das soziale Leben, da die Rinder eine sehr wichtige Stellung für die Mursi haben. Darüber hinaus haben die Rinderherden einen Einfluss auf die Ernährung des Volkes. Durch die Rinderzucht und die Ländereien können die Mursi bisher, ohne auf Hilfsgüter vom Staat angewiesen zu sein, leben, und das, obwohl sie isoliert leben. Der Eingriff in die Natur oder die Wegnahme der Länder, nimmt dem Volk jegliche Möglichkeit unabhängig vom Staat zu leben. Die Menschen des Mursistammes könnten ihre Wirtschaft nicht mehr aufrechterhalten.

Die Zerstörung des Ackerlandes

Die Mursi hatten bei den Plänen der äthiopischen Regierung keinerlei Mitspracherecht. Es wurde einfach über die Köpfe des Volkes hinweg entschieden. Im Bereich des Omo-Tals werden Zuckerrohrplantagen angebaut. Dadurch wir das Ackerland der Mursi zerstört. Teilweise wurden die Ländereien und somit, für die Naturvölker, wichtigen Ackerflächen an private Investoren vergeben. Dabei wurde keinerlei Rücksicht auf die Stämme am Unterlauf des Omo genommen.

Für den Aufbau der Zuckerrohrplantagen wurden große Teile des Buschlandes planiert. Der Boden wurde begradigt und es wurden für die Natur wichtige Bäume gefällt. Die Bäume dienten als Schattenspender für Nashörner und Giraffen. Die Tiere wurden somit vertrieben. Das einst unberührte Omo-Tal droht mehr und mehr zu zerfallen.

Der Bau des Staudamms

Im Omo-Tal wurde bereits mit dem Bau eines dritten Staudammes begonnen. Der sogenannte ‚Gibe III‘ hat zur Folge, dass die Ackerflächen an den Ufern des Omos austrocknen und die Mursi ihr wertvolles Ackerland verlieren. Das Leben des beeindruckenden Naturvolkes ist in größter Gefahr. Die Mursi zählen zu den letzten Naturvölkern in Afrika. Der Stamm befürchtet jeglicher Existenz beraubt zu werden. Sie bitten darum, dass man ihnen hilft. Sie haben Angst, zu sterben, wenn die Regierung ihre Pläne durchsetzt.

Der Omo wird schon jetzt mit Hilfe von Bewässerungskanälen umgeleitet. Mit Hilfe der Kanäle werden neue Plantagen von staatlichen und privaten Investoren bewässert. Dies hat zur Folge, dass der Fluss während der Trockenzeit viel zu niedrige Pegel hat. An manchen Stellen ist das Wasser so niedrig, dass die Menschen den Fluss überqueren können. Nass werden sie dabei nicht. Das Ackerland der Mursi wird innerhalb kürzester austrocknen.

Wenn der Staudamm fertiggestellt ist, wird das Wasser des Flusses in den Stausee fließen und das Land um den Omo komplett austrocknen. Der Stamm der Mursi wird von der Regierung dazu gezwungen, seinen Lebensraum zu verlassen. Die Regierung hat bereits damit gedroht, ihnen die Rinder wegzunehmen und sie zwangsweise woanders unterzubringen, wenn sie nicht freiwillig gehen. Als Entschädigung für den Verlust des Ackerlandes sollen die Mursi eine Nahrungsmittelhilfe erhalten. Dadurch würden die Menschen in die Abhängigkeit der Regierung geraten.

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