Die Hochzeit der Mursi

Die Hochzeit ist für die Mursi von größter Bedeutung. Wenn die Menschen eine Ehe miteinander eingehen, erreichen sie ein höheres Ansehen. Wenn ein Mann und eine Frau sich dazu entschließen, zu heiraten, muss die Familie des Bräutigams einen hohen Brautpreis an die Brautfamilie bezahlen. Der zukünftige Ehegatte muss für gewöhnlich mehrere Rinder bezahlen. Die meisten Männer müssen eine gesamte Rinderherde in die Hände der Brautfamilie übergeben, was im Durchschnitt etwa 40 Rindern entspricht. Der Brautpreis wird vorher mit der Familie verhandelt.

Nur wenn der Mann den Brautpreis bezahlen kann, darf er seine Auserwählte heiraten. Rinder haben für die Mursi eine sehr wichtige Bedeutung. Aus diesem Grund erlangt die Frau, sobald sie verheiratet ist, ein höheres Ansehen. Sie steigt in der Gesellschaft auf. Durch den Brautpreis hat die Brautfamilie zudem gleichzeitig die Möglichkeit, ihre Rinderherde zu vergrößern, was nur relativ selten möglich ist. Um den Brautpreis bezahlen zu können, müssen sich viele Männer bei ihren Familien Rinder ausleihen und diese später wieder zurück bezahlen.

In der Schuld der Familie

Weil sich die meisten Männer Rinder von ihren Familien ausleihen müssen, um den Brautpreis aufbringen zu können, heißt es bei den Mursi, dass Männer, die heiraten, für die nächsten drei Generationen in der Schuld seiner Familie stehen. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist die Hochzeit für die Mursi so wichtig.

Die Regeln der Mursi-Hochzeit

Für die Mursi ist die Hochzeitszeremonie äußerst wichtig und auch, wer heiratet. Es wird sehr streng darauf geachtet, dass keine Frauen und Männer heiraten, die aus der gleichen Familie stammen. Die Verwandten der Stämme und Gruppen werden in den ‚Vater männlicher Abstammung‘ und die ‚Mutter aus weiblicher Abstammung‘ kategorisiert. Während hierzulande Cousin und Cousine heiraten dürfen, ist dies bei den Mursi nicht möglich, da die Neffen und Nichten zu einer Familie zählen.

Die Regeln für die Familienzusammenführung sind sehr kompliziert. Häufig heiraten eine Frau und ein Mann aus unterschiedlichen Mursi-Gruppen. Dadurch wird vermieden, dass familienintern geheiratet wird. Außerdem hat dieses Vorgehen einen politischen Hintergrund.

Die Stämme der Mursi

Es gibt sieben große Mursistämme. Davon haben die fünf größten Stämme nochmal zwei bis fünf weitere Stämme, die ihnen untergeordnet sind. Jeder Stamm wird einer Abstammungsgruppe zugewiesen. Eine Hochzeit kann nur dann stattfinden, wenn die Mursi nicht zu einer Abstammungsgruppe zählen. Dadurch können zudem neue Allianzen gegründet werden, was für die Mursi von hohem politischen Wert ist. Wie bereits erwähnt, müssen viele Männer sich Rinder bei ihren Familien ausleihen, damit sie den hohen Brautpreis aufbringen können. Dieses Vorgehen soll gleichzeitig auch zur Stärkung der Solidarität innerhalb einer Abstammungsgruppe dienen.

Die Bedeutung der Hochzeit

Bevor es zu einer Hochzeit kommt, wird erst der ‚Donga-Stockkampf‘ ausgeführt, in dem die Männer beweisen müssen, dass sie stark genug sind, um ihre Familie zu beschützen. Wenn einer Frau ein Mann gefällt und beide sich einig sind, dürfen sie grundsätzlich heiraten, sofern die vielen Regeln der Mursis dies erlauben. Durch die Hochzeit wächst der Stamm innerhalb der verschiedenen Mursi-Gruppen. Die Gruppen wiederum stärken sich gegenseitig, indem sie auf politischer Ebene zusammenhalten. Außerdem sichern sie sich finanziell ab. Größere Volksgruppen sichern sich durch den Zuwachs weiterer Gruppenmitglieder zudem das Überleben.

Mursi-Männer dürfen mehrere Frauen heiraten

Die Mursis dürfen mehrere Frauen heiraten, da sie polygam leben. Die Männer leben dann zusammen mit ihren verheirateten Frauen in unterschiedlichen Hütten. Natürlich gibt es auch bei den Mursis Frauen, die nicht verheiratet sind und trotzdem Kinder bekommen. Wenn eine unverheiratete Frau einen Jungen zur Welt bringt, hat sie das Recht, vom Vater des Kindes zehn Rinder zu verlangen.

Die Rollenverteilung ist bei den Mursis ganz klar geregelt. Wenn eine Frau einen Jungen gebärt, bleibt er erst bei der Mutter. Später wächst der Junge allerdings beim Vater auf, damit er lernt, wie man die Rinderherde führt. Sollte das Kind ein Mädchen sein, muss der Vater dafür keine Rinder bezahlen und das Kind bleibt bei der Mutter. Die Männer wollen den Preis für das Kind natürlich nicht unbedingt bezahlen. Zudem kann eine Hochzeit mit einer anderen Frau verhindert werden, wenn der Bräutigam eine unverheiratete Frau schwängert und dabei ein Junge entsteht. Schließlich muss der Mann dann zehn Rinder bezahlen, die er möglicherweise für den Brautpreis benötigt hätte.

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