Ist Afrika bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes benachteiligt?

Viele Länder in Afrika fühlen sich benachteiligt, wenn es um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffes geht. Nun soll eine internationale Vereinigung Abhilfe schaffen.

Noch wird das Virus nicht durch einen Impfstoff aufgehalten. Doch bereits jetzt wurden schon Millionen Einzeldosen von reicheren Industrieländern gekauft. Laut der Weltgesundheitsorganisation oder kurz WHO, gibt es aktuell etwa 170 laufende Impfstoffprojekte. Einige Impfstoffe sollen sich sogar in der letzten Phase befinden und kurz vor der Zulassung stehen.

Gibt es einen Impfstoff-Nationalismus?

Verschiedene Länder, wie Deutschland, die USA, Großbritannien und Japan haben bereits bei den Herstellern, von Impfstoffen, große Mengen an Einzeldosen reserviert. Darüber ärgert sich unter anderem der Epidemiologe Salim Abdool Karim aus Südafrika.

Es sei verstörend, dass einige Länder dem Impfstoff-Nationalismus verfallen seien, sagte er in einem Interview. Ist es richtig, dass sich einige Länder vor dem Virus schützen können, während sich das Virus in ärmeren Ländern wie Afrika einfach weiter ausbreiten kann? Viele ärmere Länder können sich keine Impfstoffe leisten und sind in Bezug auf die Corona-Impfstoff Entwicklung schlichtweg benachteiligt. Können vereinzelte Länder wirklich sicher sein, wenn andere Länder es nicht sind?

Bisher gibt es noch keinen marktreifen Impfstoff

Bisher gibt es leider noch keinen marktreifen Impfstoff. Allerdings gibt es viele Anwärter, die an einem Impfstoff arbeiten. Dabei ist es wichtig, dass der Impfstoff gerecht auf der ganzen Welt an so viele Menschen wie nur möglich abgegeben wird und nicht nur an die reichen Industrieländer. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich internationale Organisationen zusammengeschlossen und eine Partnerschaft gegründet.

Die Impf-Vereinigung GAVI hat gemeinsam mit der WHO und der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) das Programm COVAX ins Leben rufen. Dabei handelt es sich um ein Programm, das eine faire Verteilung des Impfstoffes sicherstellen soll. Die WHO zählt außerdem auf den COVID-19 Technology Access Pool (C-TAP). Darüber sollen Forschungsergebnisse und geistiges Eigentum wie Impfstoffrezepturen geteilt werden.

Bis Ende 2021 soll es zwei Milliarden Dosen geben

COVAX soll verhindern, dass sich in Afrika ähnliche Szenen wie im Zeitraum von 2009 und 2010 wiederholen. Zu diesem Zeitpunkt brach die Schweinepest aus. Die afrikanischen Länder, wurden damals bei den Impfstoffen gegen die Schweinegrippe deutlich benachteiligt, und erhielten den Impfstoff erst mit einer Verzögerung, von einem Jahr. Wenige andere Länder hingegen hatten alle Vorräte aufgekauft.

Viele Impfstoff-Hersteller gehen laut der GAVI-Geschäftsführerin für Impfstoffe und Nachhaltigkeit Aurelia Nguyen davon aus, dass pro Person lediglich zwei Dosen des Corona-Impfstoffes benötigt werden. Dieses Denken führe nur dazu, dass niemals genug Impfstoffe für alle Menschen weltweit zur Verfügung stünden.

Gibt es jemals wieder ein normales Leben?

Viren kennen keine Grenzen! Nicht zuletzt aus diesem Grund ist es wichtig, dass alle Länder der Erde einen fairen Zugang zu marktreifen Corona-Impfstoffen bekommen. Sonst kann nicht gewährleistet werden, dass es jemals wieder ein normales Leben geben wird. Laut Nguyen soll es bis Ende 2021 zwei Milliarden Einzeldosen von Impfstoffen geben. Damit könnten die meisten Personen, die zur Risikogruppe zählen, wie alte Menschen, Gebrechliche, Pfleger und medizinisches Personal geschützt werden. Zudem könnten dann alle Risikogruppen weltweit geimpft werden.

Reichere Länder finanzieren sich selbst

Derzeit nehmen etwa 150 Länder am COVAX Programm teil. So finanzieren sich die reicheren Länder selbst, wodurch die Kaufkraft erhöht wird. So ist es Regierungen von jedem Kontinent möglich, an diesem Programm teilzunehmen. Durch COVAX ist es also möglich, dass auch die ärmeren Länder wie Afrika mit den lebensrettenden Impfstoffen versorgt werden können. Dank des Programms werden immer mehr Verträge mit Herstellern und Entwicklungspartnern für den Impfstoff unterschrieben.

Weltweit sind über 90 Länder von einer Benachteiligung betroffen

Mehr als 90 Länder weltweit, wären ohne das COVAX Programm von einer Benachteiligung betroffen. Diese Länder haben nur ein niedriges oder mittleres Einkommen und sollen durch freiwillige Zusagen finanziell unterstützt werden. Dabei sollen zwei Milliarden Dollar durch Spenden von Staaten sowie aus dem Privatsektor gesammelt werden.

Mittlerweile wurden schon über 700 Millionen US-Dollar gespendet. Mit diesem Geld könnte man bisher 64 Prozent der Weltbevölkerung mit den lebenswichtigen Impfstoffen versorgen. Das Programm COVAX hat sich zudem dafür eingesetzt, dass alle Länder die Impfstoffe zur gleichen Zeit bekommen. Dadurch soll zum Beispiel wie im Falle von Afrika sichergestellt werden, dass sich nicht wieder ein gleiches Szenario wie zu Zeiten der Schweinepest wiederholt.

Es werden Impfstoff-Hersteller in Südafrika gesucht

Der südafrikanische Epidemiologe Salim Abdool Karim setzt sich dafür ein, dass Möglichkeiten geschaffen werden, um den Impfstoff lokal in Südafrika herstellen zu können. Bisher habe Südafrika jedoch noch keinen Impfstoff gefunden, erklärte er enttäuscht. Dabei habe das Land in der Vergangenheit bereits Impfstoffe gegen Corona für Tiere entwickelt. Für Menschen wurde jedoch bisher kein COVID-19 Impfstoff gefunden.

Laut Karim gäbe es in Afrika vier Unternehmen, die einen Impfstoff selbst herstellen oder aber konfektionieren könnten. Dadurch wäre es möglich, genug Impfstoff-Einzeldosen herzustellen, die dem afrikanischen Kontinent zur Verfügung gestellt werden könnten.

In verschiedenen afrikanischen Ländern, wird bereits an der Bestimmung von Gruppen gearbeitet, die zuerst mit dem Impfstoff versorgt werden sollen. Die ist eine wichtige Maßnahme, um im Kampf gegen den Corona-Virus voranzukommen. Die meisten Länder wüssten, wie man Kinder impft, aber nicht, wie Erwachsene zu impfen sind, erklärte Karim. Die Kosten für die Erstellung von Impfkampagnen werden aus diesem Grund für bestimmte Berufs- und Altersgruppen sehr hoch sein, hieß es weiter.

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