Der Stamm der Mursi

Der Stamm der Mursi lebt im Südwesten Athiopiens. Die Mursi nennen sich selbst Mun. Teilweise leben sie auch im Mago-Nationalpark. Rund 7.500 Menschen gehören diesem Volk an.

Hierzulande sind uns die Mursi vor allem wegen ihres Lippentellers bekannt, den sie als ‚dhebi a tugoin‘ bezeichnen. Den Lippenteller tragen für gewöhnlich nur die Frauen. Im Alter von 16 Jahren wird den Mädchen dazu die Unterlippe aufgeschnitten. Außerdem werden ihnen zwei der unteren Schneidezähne ausgeschlagen. Damit die Wunde heilen kann, wird ein Holzstab in den Schnitt eingefügt, damit der Schnitt offen bleibt und der Lippenteller später eingesetzt werden kann.

Im Laufe der Jahre, wird die Haut immer mehr gedehnt, sodass sich ein größerer Lippenteller einsetzen lässt. Oftmals ist dieser im Durchmesser bis zu 12 cm groß. Neben den Mursi tragen auch die Chai (Surma) und die Tirma einen Lippenteller. Bei den Mursi gibt es außerdem noch einige weitere Körperverzierungen.

Der Lebensraum der Mursi

Die Mursi leben im Südwesten Äthiopiens, um genauer zu sein, im unteren Omo-Tal, zwischen den Flüssen Omo und Mago. Die Flüsse erstrecken sich über den Mago- und Omo-Nationalpark. Die Parks liegen etwa 100 km nördlich von der Grenze zu Kenia.

Die Mursi haben sich diesen Bereich bewusst ausgewählt. Das Areal ist sehr klein und zudem isoliert. Es gibt dort keine Straßen, sodass das Gebiet des Volkes nur sehr schwer zugänglich ist.

Die Menschen leben in kleinen Hütten, die sie selbst aus gesammelten Hölzern und Lehm bauen. Um die Häuser zu verdichten, werden rund um die Hütten Holzstämme angebracht. Ins Innere der Hütte gelangt man nur über eine kleine Öffnung. Die Hütten sind recht stabil und dienen den Mursi als Schutz vor Witterungseinflüssen. Durch die vielen Hütten bildet sich ein kleines Dorf.

Im Omo-Tal leben noch weitere Stämme

Der Omo zählt zu den größten Flüssen Äthiopiens. Er befindet sich westlich der Hauptstadt Addis Abeba und östlich des Äthiopischen Hochlands gelegen. Der Unterlauf des Omos ist die natürliche Grenze zwischen der südlichen Region, in denen verschiedene Nationalitäten und Völker leben und der Region Oromiyaa, die die östliche Grenze des Omo-Nationalparks bildet. Der Omo mündet an der nördlichen Grenze in Kenia in den Turkanasee.

Neben dem Volk der Mursi leben dort noch weitere Volksgruppen und kleine Stämme. Hierzu zählen unter anderem die folgenden Stämme:

  • Arbore
  • Bodi
  • Dassanetch
  • Hamar
  • Kara
  • Nyangatom
  • Surma

Einige der Völker leben friedlich nebeneinander. Leider führen verschiedene Stämme jedoch auch Kriege mit dem Mursivolk. Manche Völkergruppen sprechen eine Sprache, die ähnlich klingt, wodurch die Völker über die Sprache miteinander verbunden sind.

Die Flusslandschaften als Nahrungsquelle

Die Flusslandschaften des Omo und des Mago sind für die Mursi sowie alle anderen Stämme der Region, eine wichtige Nahrungsquelle. Die Ländereien werden auf natürliche Weise immer wieder überschwemmt, wodurch es um die Flüsse fruchtbares Ackerland gibt. So können die Menschen dort Gemüse anbauen, das ihnen und ihren Tieren als Nahrung dient. Die Mursi verfügen über viele Rinderherden, die ihr Wasser aus dem Omo beziehen.

Zweimal im Jahr gibt es in der Region rund um den Omo Regenzeiten. Im Zeitraum zwischen März und April findet die erste Regenzeit statt. Dabei handelt es sich um den sogenannten großen Regen, den die Mursi als ‚oivoi‘ bezeichnen. Die zweite Regenzeit ist zwischen Oktober und November. Diese nennen die Mursi den kleinen Regen, also ‚loru‘.

Die Mursi müssen immer wieder umziehen

Während der Regenzeiten kommt es an den Flüssen zu sehr hohen Wasserständen und somit zu Überschwemmungen. Aus diesem Grund müssen die Mursi immer wieder umziehen und in anderen Orten wohnen. Nach der Überschwemmung kehren sie jedoch wieder in ihr Dorf zurück, um dann wieder in ihren kleinen Hütten zu leben.

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